Fashion

Textilkunde #1 Baumwolle

baumwolle.jpg

Hallöchen,

wie schon in meinem Beitrag zu nachhaltiger Mode angekündigt, möchte ich gerne mein Wissen über Textilien mit euch teilen. Ich habe das duale Studium (IHK) zur staatlich geprüften Handelsfachwirtin im textilen EInzelhandel gemacht und hatte somit auch meine Einzelhändlerprüfung mit Textilkunde. Ich höre immer wieder, dass 100% Baumwolle automatisch für gute Qualität spricht, was aber nicht stimmt. Deswegen beginne ich diese Reihe mit dem Textil Baumwolle.Ich werde mich zu jedem Thema versuchen kurz zu halten, aber dennoch alles wichtige mitzuteilen. Solltest du nach diesem Beitrag noch Fragen zur Baumwolle haben, dann schreibe mir diese gerne in die Kommentare.

Baumwolle besteht aus Samenhaaren einer malvenähnlichen, subtropischen Staudenpflanze. Mengenmäßig ist Baumwolle noch der mit weitem Abstand wichtigste Textilrohstoff. Sie besteht zu 90% aus reiner Zellulose und die Einzelfaser besteht aus einer Vielzahl winzigster Fäserchen, die spiralförmig in Schichten übereinander liegen.

Haupteigenschaften von Baumwolle:

  • saugstark
  • Hitzebeständig bis 95°C
  • geringe Elektrostatik-Neigung
  • hautfreundlich
  • geringe Elastizität
  • vielseitig einsetzbar
  • geringe Wärmeisolation
  • knitteranfällig
  • hohe Reisfestigkeit
BAUMWOLLE,
Baumwollernte

Die Grundeigenschaften von Baumwolle klingen ja schon mal super, aber so in reiner Form wird sie selten verwendet. Es gibt verschiedene chemische Verfahren um die Baumwolle zu behandeln. Das heißt es bleibt 100% Baumwolle, aber mit geänderten Eigenschaften. Diese Verfahren nennt man Veredelungen und hier gebe ich dir einmal eine Übersicht über die häufigsten Veredelungen:

  • Merzerisieren: Die Baumwolle wird unter Spannung mit Natronlauge behandelt. Dadurch wird der Querschnitt der Faser rund und man erzielt Glanz und eine höhere Festigkeit.
  • Pflegeleicht Ausrüstung (Knitterarm): Durch Vernetzung von Zellulosemolekülen, z.B. Kunstharzen, erhält die Baumwolle größere Elastizität und dadurch wird das Knitterverhalten verbessert. Sie verliert jedoch dabei meist an Festigkeit und Saugvermögen, trocknet allerdings auch schneller.
  • Krumpfarm Ausrüstung: Durch Krumpfen (ein gewolltes Schrumpfen der Bekleidung) wird das Einlaufen bei anschließender Wäsche vermieden. Diese Veredelungstechnik ist auch wichtig für die Pflege von Baumwolle im Wäschetrockner.
  • Laugieren: Die Baumwolle wird ohne Spannung mit Natronlauge behandelt, wodurch sich die Farbaufnahmefähigkeit erhöht.
  • Transparentieren: Ein Vorgang, bei dem die Baumwolle spannungslos mit Natronlauge und Schwefelsäure behandelt wird, um einen transparenten Effekt zu erzielen. Der Stoff wird durchscheinend.
baumwollverarbeitung
Baumwollverarbeitung

Wegen dieser und auch vielen weiteren Verfahren predige ich allen in meinen Umfeld und nun auch dir: trage neue Bekleidung NIEMALS, bevor du sie nicht gewaschen hast!weltkarte_baumwoll-laender

Eine meiner damaligen Kommilitonen/innen war im Einkauf eingesetzt. Die Musterstücke, welche aus den Fabriken kamen, waren nach solchen Verfahren manchmal nicht einmal gewaschen worden und die Mitarbeiter dort hatten häufig Nasenbluten und andere Nebenwirkungen. Dank unserer Auflagen, muss die Bekleidung, welche es dann in die Geschäfte schafft natürlich Richtwerten entsprechen und dürfte nicht mehr schädlich sein. Aber mal ganz ehrlich, wo es Regeln gibt, gibt es auch die Regelbrecher und der Zoll kann ja nicht jeden Container kontrollieren. Laut Berichten sollen Strumpfwaren die schädlichsten Rückstände aufweisen.

Und wenn du jetzt denkst, dass dir noch nie etwas negativ daran aufgefallen sei, wenn du neue Textilien sofort verwendet hast und du es deswegen auch nicht anders machen möchtest: Du fährst vielleicht auch jeden Tag Auto und hast trotzdem nicht jeden Tag einen Unfall, aber er kann passieren! Und geringe Schadstoffe müssen nicht sofortige Auswirkungen haben, sie können auch später auftreten, vor allem wenn man immer wieder mit Ihnen in Berührung kommt. Ich habe meinen eigenen Rat bei Tüchern und Schals nie beachtet, bis ich einmal einen Ausschlag im Nacken bekommen hatte, der nur vom neuen Rundschal kommen konnte…

weltkarte_baumwoll-laenderSO, zurück zu Baumwolle! Es gibt verschiedene Verwendungszwecke für Baumwolle und damit auch verschiedene Arten, sie zu Stoffen zu verweben. Hier ein paar Beispiele, wobei ich dir die unterschiedlichen Bindungen (Werbungen) nicht im Detail erkläre, das wäre zu viel 😉

Baumwoll-Stoffarten:

  • Batist: Sammelbegriff für feinfädige Gewebe aus Baumwolle.
  • Baumwollsatin: Feinfädiges seidenartiges Gewebe in so genannter Atlasbindung mit einer mehr oder weniger glänzenden, strukturlosen Oberfläche. Baumwollsatin wird vorwiegend unifarben hergestellt und häufig für hochwertige Bettwäsche und edle Fashion-Outfits eingesetzt. Die billige Satinware ist meisten aus Chemiefasern.
  • Canvas: Festes Gewebe aus Baumwolle in so genannter Tuchbindung, ideal für Outdoorjacken und Sportswearhosen.
  • Cord: Sammelbegriff für Baumwollgewebe mit erhobenen, unterschiedlich breiten Längsrippen. Je nach Rippenart unterscheidet man unterschiedliche Cordqualitäten (Babycord, Breitcord).
  • Denim: Ursprünglich ein sehr dichter, fester und strapazierfähiger Baumwollstoff in so genannter Köperbindung. Heute gibt es Denim in vielen Gewichten und Farben, als Stretch-Denim und auch bedruckt, bestickt etc. Denim ist führend bei Freizeitbekleidung (Jeans) und als Fashion-Bestandteil unerlässlich. Außerdem hat Denim längst auch andere Einsatzbereiche wie das Interior-Design erreicht.
  • Flanell: Ein- oder zweiseitig aufgerautes Baumwollgewebe mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Weicher Baumwollflanell wird im Gegensatz zum Wollflanell häufig für sportive Oberhemden und für Kinderbekleidung eingesetzt. Ich liebe im Winter Flanellbettwäsche – es gibt nichts kuscheligeres 🙂
  • Frottee: Baumwollgewebe mit ein- oder zweiseitigen Schlingen, das üblicherweise für Bademäntel und Handtücher verwendet wird. Beim Walkfrottier verlaufen die Schlingen unregelmäßig. Dadurch saugen sie gut Feuchtigkeit auf und sind weicher als Zwirnfrottierwaren, die einen festeren Griff haben. Besonders weich und anschmiegsam ist Veloursfrottier, bei dem die Schlingen aufgeschnitten werden. Ich kann bei Handtüchern übrigens die Deluxe-Serie von Primark empfehlen, mit der habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht!
  • Jersey: Baumwolljersey ist Maschenware mit einer matten Oberfläche, die sich deutlich von der Unterseite unterscheidet. Zeichnet sich durch seinen weichen, fülligen Griff und gute Querfestigkeit aus. Einsatzgebiete sind Bekleidung und Heimtextilien wie z. B. Bettwäsche.
  • Rippware: Maschenware, bei der sich rechte und linke Maschen abwechseln (jeweils eine oder mehrere) und beide Warenseiten gleich aussehen. Feinripp: feine Maschenware aus zweifädigen Garnen, wird insbesondere für Unterwäsche (diese typischen Bauarbeiter-Unterhemden 😉 ) verarbeitet. Doppelripp: gröber und dehnbarer als Feinripp.
  • Samt: Baumwollgewebe mit einem 1-3 mm langen Flor. Fühlt sich weich und griffig an. Ich mag Samt aber gar nicht…
  • Seersucker: Bezeichnung für Baumwollgewebe mit gekrepptem, borkigem Streifen-Effekt. Das Reliefmuster verläuft in Bahnen oder Wellen. Im Sommer liebe ich Seersucker-Bettwäsche, weil sie einfach suuuper luftig ist!
seersucker
Diese Seersucker-Bettwäsche habe ich zum Beispiel 😉

So ich glaube, dass ist genug Theoriewissen für heute 😉

Als nächstes werde ich dir meinen persönlichen Lieblingsstoff Viskose vorstellen!

Ich wünsche dir einen schönen Wochenstart und falls du Ferien oder Urlaub hast – genieß deine freie Zeit! 😉

Liebe Grüße, deine Josie

8 Kommentare zu „Textilkunde #1 Baumwolle

  1. sehr informativer und interssanter post 🙂 schön auch mal einfach inhaltlichen content auf blogs zu finden und nicht immer nur schminke und was man geshoppt hat 😛 obwohl ich das natürlich auch nciht schlecht finde wenn ich ehrlich bin 😛
    urlaubsgrüße aus dem motorradhotel eggental
    Claudia

    Gefällt 1 Person

  2. Richtig interessantes Thema! Habe erst am Dienstag meine Haushaltsarbeit über Waschmittel und die einzelnen Fasern gesehen… vorher wusste ich von Baumwolle nur – ohh das kann einlaufen😂

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Uniprüfungen bald😊

    Liebe Grüße,
    Rebecca

    Gefällt 1 Person

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