Business · Persönlich

Habe ich überhaupt schon was erreicht?

Hallöchen,

schön das du da bist!

Wenn man an einem Sonntag mal zur Ruhe kommt und ein bisschen Zeit zum nachdenken hat, hat man oft die merkwürdigsten Gedanken.

Ein Gedanke, der mich dabei häufig besucht, ist der über meine Vergangenheit.

Habe ich schon etwas erreicht? Hätte ich manche Entscheidungen anders treffen sollen? Bin ich schon alt?

Ich bin 25 Jahre alt und habe häufig das Gefühl noch nichts erreicht zu haben. Dabei sieht es objektiv betrachtet ganz anders aus, weswegen mich kaum einer versteht, wenn ich den Gedanken mal laut aussprechen sollte…

Ich habe erst mit 20 mein Abitur gemacht, da ich die 8. Klasse wiederholte hatte und ich noch 13 Schuljahre hatte (Niedersachsen, 2011). Das ist jetzt 5 Jahre her und ich bin beruflich noch überhaupt nicht angekommen.

Ich habe zunächst ein Jahrespraktikum bei einem Finanzdienstleister gemacht, allerdings nicht weil ich in die Finanzdienstleistung wollte.. Ich wollte eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau machen und dann Immobilienwirtschaft und -management studieren. Ich hatte eine Zusage von einem guten Immobilienbüro in Hannover, jedoch wurde die Inhaberin schwanger und hatte den Geburtstermin genau zum Ausbildungsbeginn. Sie schlug mir das Jahrespraktikum bei ihrem Mann vor und dass ich anschließend die Ausbildung verkürzt auf 2 Jahre bei ihr machen könnte und so kein Jahr verlieren würde. Ein Jahr später war sie wieder schwanger und sie boten mir eine Ausbildung zur Bürokauffrau an, das war das einzige was er ausbilden durfte. Nachdem ich gelacht habe, dann verstanden habe dass das kein Scherz war, habe ich mich ganz schnell nach etwas neuem umgeschaut. Ich habe nichts gegen den Beruf Bürokauffrau, aber ich hatte ein Versprechen bekommen, hatte klare Ziele und das passte mir so also überhaupt nicht. Und ganz ehrlich? Dann hätte ich auch kein Abitur machen brauchen. Nicht, dass ich ein gutes Abitur hätte, dafür habe ich schon neben der Schule zu viel gearbeitet (Servicekraft) gehabt, aber ich hatte damals halt andere Prioritäten…

Was jetzt? Meine Pläne wurden über den Haufen geworfen…

Es war bereits März und ich war verzweifelt. Würde ich jetzt noch das richtige für mich finden? Ich ging in mich und kam zu dem Schluss, dass ein duales Studium jetzt das richtige wäre, ich war ja nun schon 21 und die Lust an Immobilien hatte ich erstmal verloren… Ich beneide jeden, der den Luxus genießt ein Präsenzstudium (also ein normales an der Uni/FH) machen kann, das stand für mich leider aus finanziellen Gründen nie zur Debatte. Meine Eltern hatten nicht viel Geld und meine großen Brüder verdienten schon Geld, was die Baföghöhe deutlich gemindert hätte. Und ein Kredit zum studieren wollte ich nicht, ich wollte nicht nach dem Studium verschuldet ins Berufsleben einsteigen. Das muss jeder für sich ganz allein entscheiden, aber für mich fühlte es sich so richtig an. Ich schaute welche dualen Studiengänge noch ausgeschrieben waren, die meisten Bewerbungsfristen waren ja schon um… Ich fand ganz unterschiedliche und schließlich einen der mir gefiel. Das duale Studium zur Handelsfachwirtin.

Ich beschloss Handelsfachwirtin zu werden!

Die Aufgaben klangen bei den verschiedenen Firmen sehr vielfältig und es klang nach der perfekten Basis. Ich habe die Firmen, bei denen ich mich bewarb so ausgesucht, dass ich im Verkauf auch hinter den Produkten stehen konnte. Ich habe zum Beispiel Baummärkte außen vor gelassen, weil ich mich damit einfach nicht identifizieren konnte. Nach den ganzen Bewerbungsrunden (Es war wie beim Casting mit mehreren Runden) habe ich mich dann für einen Textilfilialisten entschieden. Ich wurde also innerhalb von drei Jahren Einzelhandelskauffrau, Ausbilderin und Handelsfachwirtin. In dem letzten Jahr war ich Filialleiterin einer Filiale in Hildesheim mit Außendiensttätigkeiten. Als Handelsfachwirtin lernt man viele Bereiche eines Unternehmens kennen und wird so ausgebildet, dass man theoretisch ein kleines bis mittelständiges Unternehmen leiten könnte. Von allen Aufgaben die ich hatte machte mir die Personalführung und vor allem -entwicklung am meisten Spaß. Ich informierte mich über Tätigkeiten in der Personalentwicklung und bemerkte, dass ein Hochschulabschluss in diesem Bereich oder lange Erfahrung von Nöten war um in dem Aufgabenfeld zu arbeiten wie ich mir das vorstellte.

 Nach dem dualen Studium doch noch ein Hochschulstudium?

Ich überlegte hin und her, ich hätte bei der Firma bleiben und weiter als Filialleiterin oder eventuell etwas später auch im Außendienst arbeiten können. Das sind echt keine schlechten Jobs, vor allem der Außendienst hatte mir Spaß gemacht, aber mein Bauchgefühl sagte, ich sollte in die Personalentwicklung gehen.

Ich erzählte meinen Eltern davon ca. ein halbes Jahr bevor ich mit dem Handelsfachwirten fertig war. Sie erzählten mir, dass sie für ihre Schmuckmanufaktur (Mein Vater ist Goldschmiedemeister) eine Store Managerin suchten, die sich auch mit Social Media und Online Shops auskennt und ob ich nicht Lust hätte für sie zu arbeiten. Für meine Eltern arbeiten? Ich war unsicher, aber sie boten mir einen 30h/Woche – Teilzeitjob an, damit ich ein Fernstudium machen kann. Denn mit Vollzeitjob ist das kaum zu schaffen. Ich willigte ein und unterschrieb ca. 3 Monate vor meiner mündlichen Prüfung einen Aufhebungsvertrag, der mich direkt nach der schriftl. Prüfung das duale Studium beenden lies. Ich habe die mündliche Prüfung allerdings noch im Namen der Firma gemacht.

Handelsfachwirt – Check!

Ich holte mir jede Menge Informationen zu Fernstudiengängen ein und entschied mich letztendlich für die PFH Göttingen. Ich studieren jetzt im Fernstudium (ca. 20 Stunden die Woche)n Wirtschaftspsychologie und werde die Schwerpunkte Arbeits- und Organisationspsychologie und Human Ressource Management belegen. Weil ich Handelsfachwirtin bin wurde mir viel angerechnet und ich konnte im 8-Semestersystem ins dritte Semester einsteigen. Warum ich die PFH den typischen Fernunis wie EuroFH oder FernUni Hagen vorzog? Weil die PFH eine staatlich anerkannte Hochschule ist und ich somit die Möglichkeit habe ein Auslandssemester zu machen- mein absoluter Traum! Ich wollte damals in der Schule schon ein High School Jahr machen, meine Eltern hätten es geschafft mir ein halbes Jahr zu finanzieren. Ich blöde Kuh hab dann aber gekniffen, weil ich Angst hatte, dass meine Beziehung nicht halten würde… Inzwischen weiß ich es besser, aber man kann seine Vergangenheit leider nicht ändern. Ich wünschte nur, meine Eltern hätten ein bisschen mehr durchgegriffen und mich nicht so viel allein entscheiden lassen.

Ich studiere jetzt seit Oktober ´15 an der PFH und muss sagen, dass es schwer ist die Selbstdisziplin zu halten, um das Studium durch zu ziehen. Es haben auch schon viele aufgehört, die mit mir zusammen angefangen haben, weil sie es neben dem Beruf nicht geschafft haben. Ich sehe das etwas lockerer, wenn ich nachher ein halbes Jahr länger brauche geht die Welt nicht unter. Ich versuche seit Monaten Praktika in der Personalentwicklung zu bekommen, leider gibt es da nicht so viel in meiner Umgebung und die Voraussetzungen sind oft sehr hoch. Für die Bereiche, für die ich mich interessiere werden oft Auslandserfahrungen vorausgesetzt. Ich bin sehr froh schon den Handelsfachwirt zu haben, damit bringe ich schon Praxiserfahrung mit und nicht nur theoretisches Wissen. Gerade bei der Arbeit mit Menschen ist die Praxis das was zählt. Ich habe schon Coaches kennen gelernt, die Führungskräftecoachings anbieten und selbst nur auf Seminaren waren. Das finde ich sehr gefährlich und verantwortungslos.

Falsche Führung kann sich auf die Psyche der Mitarbeiter auswirken!

Eine Führungskraft hat nicht nur die Verantwortung für die Arbeit des Personals unter ihr, sondern auch einen großen Einfluss auf die Psyche dieses Personals mit der Art und Weise wie sie führt. Ich habe leider schon miterlebt, wie schlechtes Führungsverhalten sich auf die Mitarbeiter auswirkt. Manche können darüber stehen, aber andere fangen an an sich selbst zu zweifeln oder an ihrem Job. Das ich das miterlebt habe ist einer der Hauptgründe, weshalb ich in die Personalentwicklung möchte.

Zurück zu meinen Gedanken…

Der Text liest sich für mich ganz gut und klingt nach Erfahrungen, aber ich bin 25 und beruflich noch nicht angekommen. Was ist wenn mir der Bachelor in Personalpsychologie auch nicht reicht? Ich habe Angst nie anzukommen, mich nie erfüllt zu fühlen… Ich hatte mir als Ziel gesetzt beruflich angekommen zu sein bevor ich Kinder bekomme und das mit ca. 30 Jahren. Aber werde ich es schaffen in 5 Jahren einen sicheren und guten Job zu haben?

Kennst du solche Gedanken? Also nicht angekommen zu sein und die Sorge dies auch nicht zu schaffen?

Das merkwürdige ist, dass wenn ich andere Personen in meinem Alter mit meinem Lebenslauf sehe denke ich ganz anders… aber mit sich selbst ist man ja immer kritischer und hat höhere Erwartungen…

Für die nähere Zukunft habe ich erstmal Praktika geplant und das erste geht auch schon mitte Juni los. Da werde ich eine Aubi-Firma betreuen und darauf freue ich mich auch schon riesig =) Im Winter möchte ich mein TEOFL-Examen in New York absolvieren, da muss ich aber noch schauen, ob ich das finanziell hinbekomme. Nächstes Jahr im Sommer werde ich ein Auslandssemster machen, wenn alles gut geht in Kalifornien 😉 Ich werde dich darüber auf dem Laufenden halten!

So das wars erstmal für heute, hab eine schöne Woche!

Deine Josie

4 Kommentare zu „Habe ich überhaupt schon was erreicht?

  1. Liebe Josie,
    ich kenne das Gefühl total!
    Ich würde mich freuen, wenn du uns bei deinem Auslandssemester „mitnimmst“ und uns darüber berichtest. Wird es dazu auch Videos geben?
    LG, Kris

    Gefällt 1 Person

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